LEGO und ich (oder: Warum schreibe ich das hier eigentlich?)
Ich bin ein großer LEGO-Fan, seit ich an meinem 2. Geburtstag mein allererstes LEGO-Set bekommen habe: Der 6643 Fire Chiefs Truck. (Ich hatte vorher schon Duplo, aber aus logischen Gründen habe ich wenig Erinnerungen an diese Zeit)
Das war 1991. Seitdem ist meine LEGO-Sammlung ständig gewachsen, es kam alles mögliche hinzu: aus der klassischen LEGOLAND-Serie, später Ice Planet 2002 (ich weiß, das klingt heute 2006 witzig), Aquanauts, natürlich Piraten, Züge, ... Später habe ich mit Technic angefangen, und an Weihnachten 2001 bekam ich meinen ersten Mindstorms Roboter, schnell gefolgt von einem zweiten an meinem Geburtstag.
Diese ganze Zeit lang habe ich die Evolution von LEGO mitbeobachtet. Und ich muss sagen, es hat wirklich eine Evolution gegeben, allerdings zum großen Teil eine negative.
Als nächstes nenne ich ein paar Aspekte, die meiner Meinung nach zur sinkenden Popularität und einem ebenfalls sinkenden Profit der LEGO Company geführt haben (es ist bekannt, dass LEGO finanzielle Probleme hatte) und von denen ich glaube, dass wir auf sie verzichten können.
Vereinfachung und Spezialisierung
Erinnern wir uns an die LEGO-Sets aus vor ein paar Jahren. Sie hatten Steine und Platten in vielen Größen und Farben, aber alle folgten einem präzisen Schema. Es gab Sonderteile wie Fenster, Scharniere, Räder, usw. aber alles war glasklar. Die Steine waren für jedes Kind nach dem Duplo-Alter geeignet und alles war mit ihnen möglich.
Einige Zeit später (ca. 1997) erschienen Modelle mit sogenannten vorsortierten Teilmodellen, und mit ihnen kam eine neue Art der LEGO-Teile. Es waren riesige Steine mit mehr oder weniger vordefinierten Funktionen. Es gab Platten, an denen zwei Radachsen vormontiert waren, große Fenster, usw. Dies war auch toll, weil man nun viel stylishere Gebäude und Fahrzeuge bauen konnte (siehe Bilder), und das viel schneller.
Doch als ich den Wagen aus der 6554 Feuerwache sah (2. Bild der Feuerwehrstationen), war etwas nicht in Ordnung. Vom ersten Moment an hat mir die Art misfallen, in der die Räder montiert wurden. Sie sahen komplett falsch aus. Und die kleinen Brücken zwischen den Modulen sahen alles andere als stabil aus. Spätere Modelle sind solider, aber die allerneuesten Auto-Unterteile sind wohl nicht jedermanns Geschmack (integrierte Kotflügel?). Und all die neuen Elemente mit vordefinierten Funktionen erlauben viel weniger Flexibilität beim Designen eigener Modelle. Und genau das ist das Problem: Die Spezialisierung der Teile betrifft neue Modelle immer mehr. Sie sehen toll aus, wenn man das Modell aus dem Anleitungsbuch baut, aber oft kann man wenig mehr damit machen. Als Beispiel dafür könnte man das 7893 Flugzeug nehmen. Und nach meiner Sicht geht dies gegen die LEGO-Philosophie und gegen das, was LEGO so besonders macht.
Weniger Noppen und mehr abgerundete Ecken
An den neuen NXT-Robotern sieht man es allzu gut, aber es existiert schon länger: Studless building (zu deutsch: Noppenloses Bauen) wird in vielen neuen Modellen verwendet. Auch hier: Es ist an sich keine schlechte Sache, aber eins ist sicher. Noppenloses Bauen hat Vorteile gegenüber normalen Technic-Balken (vor allem, wenn man Zahnräder verwendet) und es erzeugt sehr robuste Gestelle, aber es ist viel schwieriger zu beherrschen als das normale Noppe-auf-Noppe-Prinzip, und könnte vor allem jüngere [potentielle] LEGO-Fans abschrecken oder frustrieren.
Der Studless-Trend kann natürlich auch nicht als Abweichung von den LEGO-Standards, sondern als eine Evolution derselben gesehen werden. Das lässt sich nicht eindeutig sagen und hängt sehr von jedem einzelnen Leser ab. Ich persönlich fühle mich immer noch mit normalem Noppen-Bauen sicherer, hoffe aber, ein wenig mehr mit Studless zu experimentieren.
Auch die Abrundung der Teile regt mich bei LEGO auf (vgl. Bilder der alten und neuen Lichtsensoren). An diesem Beispiel lässt sich erkennen: Der neue Sensor ist sehr viel schwieriger in ein Modell einzubauen. Den alten kann man wie einen normalen LEGO-Stein behandeln (denn genau das IST er ja auch) und sowohl in Standard- als auch in noppenlose Technic-Gebilde integrieren. Nicht nur die NXT-Sensoren, sondern alle neuen Fahrzeuge, Gebäude, ... sehen moderner aus, aber, ich wiederhole: Diese Faktoren lassen LEGO weniger und weniger nach LEGO aussehen.
Harry Potter, Star Wars, NBA & Co.
Prinzipiell finde ich die Idee von LEGO gut, beispielsweise die LEGO Studio Serie mit Spiderman zu kombinieren, oder den Verkaufserfolg von Star Wars Produkten zu ihren Gunsten zu verwenden. Aber wie sie es machen finde ich nicht so gut. Als erstes (und dies gehört zur Spezialisierung) wurde für jeden Filmheld eine eigene Minifigur, manchmal sogar Haarstil, erstellt. Es ist lange her, als alle LEGO-Jungs und Mädels gleich aussahen, mit dem typischen fröhlichen Gesicht. Ich kann es verstehen, dass Kinder Spaß daran haben, Szenen aus ihren Lieblingsfilmen und Fernsehserien mit LEGO nachzuspielen (Bob der Baumeister, ...). Aber das ist nicht alles...
Was mich am meisten schockiert hat war die einführung der ROSA Minifiguren für die kommerziellen Serien. Ich bin mir sicher, dass nichts anderes LEGO mehr von seinem Charakter raubt, als die gelben kleinen Männchen zu verlieren, die uns so lange begleitet haben. Die neuen Minifiguren erinnern mich ständig an MEGA BLOKS und andere LEGO-Imitate. Und wieviele Hautfarben muss LEGO nun machen, um politisch korrekt zu bleiben? Hilfe!!
Die Sportserien lassen mich auch zweifeln. Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele Leute wirklich echten Fuß- und Basketball mit den speziellen Halterungsplatten spielen, oder mit irgendwelchen durchsichtigen Stäben snowboarden. Und auch die Sport-Serien werden durch echte NBA-Spieler (jeder mit seiner eigenen Minifigur) dem richtigen Leben änhnlich gemacht.
Rosa Welten
Ich bin männlich und kann deswegen dieses Thema nicht hundertprozentig analysieren, aber warum muss sogar LEGO alles rosa färben, um es für Mädchen attraktiv zu machen? Hat es wirklich so eine große Wirkung? Ich denke sie könnten genausogut Häuser, usw. völlig normal mit Jungs-Teilen bauen, diese sind in Wirklichkeit sehr neutral. (Vielleicht bis auf den sehr hohen männlichen Anteil der LEGO-Städte; ich bin kein Experte in Themen LEGO-Demographie. Das ließe sich aber leicht beheben.)
Außerdem sind die verschiedenen Mädchen-Serien unterschiedlich LEGO-kompatibel. Das alte Paradisa enthield noch normale Minifiguren und war zu 100% mit allem anderen kombinierbar. Der nächste Schritt war Belville, mit größeren, puppenartigeren und gelenkigeren Figuren. Scala hat LEGO-Noppen komplett abgelöst, und könnte ohne Probleme als normales Puppenhaus durchgehen. Dasselbe mit ClickIts, denen hier nicht mehr Platz gewidmet werden soll.
Sammeln ist das A und O: Bionicle
Eigentlich war es nicht die erste LEGO-Serien mit dem Gedanken. Die Throwbots/Slizers von 1999 waren acht (später mehr) Modelle, die über einen bizarren, von komischen Monstern bewohnten Planeten regierten, und deren einziges Ziel es war, gegeneinander Wettkämpfe auszutragen. Es folgten die RoboRiders, und der Sammelwahn erreichte mit Bionicle seinen Höhepunkt, mit den weltverändernden austauschbaren Masken. Eine schnelle Suche auf peeron.com (LEGO-Inventarliste) ergibt 183 Ergebnisse für Bionicle als Suchwort. Sieht man wirklich einen Unterschied zwischen den Modellen? Irgendeine Verbesserung, oder irgendeinen wirklichen Sinn dieser Kreaturen? Ich jedenfalls nicht. Und ich kann es nicht glaube, dass es schon drei Filme darüber gibt. OK, die Kugelgelenke sind eine feine Sache, aber alles andere....
Anderes
Weitere Dinge, die ich für komplette Desaster halte, sind die Jack Stone- und Dino-Serien. Argh! Wenigstens ist Jack Stone weg (was waren das auch für komische Minifiguren?)... Die sprechenden Züge von Thomas and Friends waren auch nie meine Lieblinge, aber das ist, wie immer, meine eigene Meinung.
Wofür dieser Artikel gedacht ist
Es ist einfacher zu sagen, wofür er NICHT gedacht ist.
Ich versuche nicht, eine detailierte Geschichte der LEGO Company zu schreiben, oder jeden einzelnen Aspekt davon zu analysieren. Es soll kein 100% objektiver Aufsatz über LEGO sein. Er enthält nur die Aspekte, die ich für die negative Evolution von LEGO am wichtigsten halte. Ich behaupte nicht, dass ich LEGO und alles was dazugehört abgrundtief hasse. In Wirklichkeit liebe ich LEGO und finde, dass es auch sehr gute Entwicklungen gegeben hat (Click-Scharniere, Mindstorms, ...) und respektiere LEGO sehr dafür.
Dieser Artikel ist einfach ein Weg, meine Sorgen über dieses Spielzeug zu äußern. Ich hoffe, dass ich nicht der einzige bin, der so denkt, aber ich bin mir sicher, dass es Leute gibt die es nicht tun. Manche könnten meinen, dass ich zu nostalgisch, konservativ, pessimistisch und neuen Sachen gegenüber nicht offen bin. Das stimmt nicht, aber dieser Artikel widmet sich eben meiner nostalgischen und pessimistischen Seite.
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